Lohnbearbeitung — Auf einen Blick

Vollstaendiger Leitfaden zum MM-Subcontracting-Prozess in SAP S/4HANA

L
Positionstyp
30
Sonderbeschaffung
541
WA an Lieferant
101
WE Produkt
543
Auto-Verbrauch
O
Sonderbestand
6
Standard-Varianten

MM vs. PP — Abgrenzung

Lohnbearbeitung (MM) vs. Fremdbearbeitung (PP): Wann welcher Prozess? Bestellung vs. Fertigungsauftrag.

Grundlagen

Stammdaten

Materialstamm, Stueckliste, Infosatz, Lieferant, MRP-Bereich — die 6 Objekte die stehen muessen.

Pflicht

Prozessablauf

Planauftrag → Sekundaerbedarf → LP-Einteilung → EWM-Versand → WE → Rechnung.

Kern

MRP Live Kompatibilitaet

Funktioniert Lohnbearbeitung mit MRP Live? Ja — aber mit einer kritischen Einschraenkung.

Kritisch

6 Standard-Varianten

Klassisch, Direktlieferung, Mehrstufig, Lieferplan, Chargen, Konsignation — alle im Standard.

Szenarien

Bewegungsarten

541, 542, 101, 102, 543, 544 — was passiert wann und warum, mit FI-Buchungslogik.

Technik

Interaktiver Prozessfluss

LP-Abruf → Lieferung → WE → Lager → Konsignation → ZSB-Montage → Finanzbelege. Hover fuer Details.

InteraktivFI-Belege

Fiori Apps

Subcontracting Cockpit, Manage POs, Post GR, Monitor Coverage — die neuen Apps.

S/4HANA

Lieferplan + EWM

Kompletter Ablauf: Bedarf → MRP → LP-Einteilung → EWM-Versand → WE + Entnahme. Inkl. Schrott, Inventur, QM.

NeuEWM

MM-Lohnbearbeitung vs. PP-Fremdbearbeitung

Zwei Prozesse, zwei Module — der fundamentale Unterschied

Kernunterschied

Bei der Lohnbearbeitung (MM) wird das komplette Produkt extern gefertigt und ueber einen Lieferplan mit Einteilungen gesteuert. Bei der Fremdbearbeitung (PP) werden nur einzelne Arbeitsvorgaenge eines internen Fertigungsauftrags an einen Lieferanten vergeben.

MM — Lohnbearbeitung

Komplettes Produkt extern

Der Lieferant erhaelt alle Komponenten und liefert das Fertigprodukt. Steuerung ueber Lieferplan mit Einteilungen.

  • Lieferplan (SA) mit Positionstyp L
  • Stueckliste explodiert auf der LP-Position
  • Kein Fertigungsauftrag noetig
  • Sonderbeschaffungsart 30
  • Sonderbestand O beim Lieferanten
  • MRP erzeugt Einteilungen direkt auf dem LP
  • Rechnung nur fuer Lohnkosten
PP — Fremdbearbeitung

Einzelne Arbeitsschritte extern

Nur bestimmte Vorgaenge im Arbeitsplan werden extern vergeben. Fertigungsauftrag bleibt intern.

  • Fertigungsauftrag mit externem Vorgang
  • Steuerschluessel im Arbeitsplan
  • Bestellanforderung aus dem Fertigungsauftrag
  • Sonderbeschaffungsart 40
  • Material bleibt im eigenen Werk
  • Vorgang wird als Dienstleistung bestellt
  • Rueckmeldung ueber CO11N
KriteriumMM LohnbearbeitungPP Fremdbearbeitung
SteuerungsobjektLieferplan (SA, Pos. L) + EinteilungenFertigungsauftrag
Sonderbeschaffung3040
KomponentenUeber BOM auf LP-EinteilungUeber Arbeitsplan-Vorgang
Bestand beim LieferantenSonderbestand OKein Sonderbestand
WareneingangMIGO (101 + 543)CO11N Rueckmeldung + MIGO
MRP-Bereich noetigJa (S/4HANA Pflicht)Nein
Typischer EinsatzExterne Komplett-FertigungEinzelne externe Arbeitsschritte

Stammdaten — Die Grundlage

Ohne diese 6 Objekte laeuft kein Lohnbearbeitungsprozess

◆ Materialstamm — Fertigprodukt

Das Material, das der Lieferant fertigen soll. Muss als beschaffbares Material mit Sonderbeschaffungsart 30 angelegt sein.

MM01/MM02 HALB/FERT SoBe: 30 Disp: PD/VB

◆ Materialstamm — Komponenten

Alle Rohstoffe und Halbfabrikate, die dem Lieferanten beigestellt werden. Muessen im Werk disponierbar sein.

MM01/MM02 ROH/HALB Disp: PD/VB/VV

◆ Stueckliste (BOM)

Definiert welche Komponenten der Lieferant benoetigt. Wird auf der Bestellposition explodiert. Verwendung 5 (Einkauf) oder 1 (Fertigung).

CS01/CS02 Verw: 5 oder 1 Menge/Einheit

◆ Einkaufsinfosatz

Verbindet Lieferant mit Material und legt Lohnkosten fest. Infosatztyp muss auf Lohnbearbeitung stehen.

ME11/ME12 Typ: Lohnb. Preis + PLZ

◆ Lieferantenstamm

Der Subcontractor als Business Partner mit Lieferantenrolle. Muss der Einkaufsorganisation zugeordnet sein.

BP / XK01 EkOrg-Daten Zahlungsbed.

★ MRP-Bereich (NEU in S/4HANA)

Pflicht! Pro Lieferant muss ein eigener MRP-Bereich angelegt werden. Dort wird der Beistellbestand separat geplant und disponiert.

SPRO Typ: Lieferant SoBe: 45

Customizing (SPRO)

Die wichtigsten Einstellungen in der Transaktion SPRO

BereichSPRO-PfadEinstellungHinweis
Positionstyp LMM → Einkauf → Lieferplan → PositionstypenPos.typ L fuer Lieferplan aktivierenStandard ausgeliefert
Sonderbeschaffung 30Produktion → MRP → Beschaffung → SonderbeschaffungSchluessel 30 = LohnbearbeitungAm Materialstamm zuordnen
Sonderbeschaffung 45Produktion → MRP → Beschaffung → SonderbeschaffungSchluessel 45 = Umlagerung Werk → MRP-BereichFuer Komponentenplanung
MRP-BereicheProduktion → MRP → MRP-Bereiche → AnlegenTyp "Lieferant" pro Subcontractor anlegenS/4HANA Pflicht!
Stuecklistenverw.Logistik Allgemein → StuecklisteVerwendung 5 (Einkauf) definierenFalls separate Einkaufs-BOM
BwA 541/543MM → Bestandsfuehrung → Bewegungsarten541 + 543 pruefen/aktivierenStandard ausgeliefert
KontenfindungMM → Bewertung → KontenfindungKonten fuer BwA 101 (WE) und 543 (Verbrauch)Abstimmung mit FI/CO

MRP-Bereiche (Dispobereiche) — NEU in S/4HANA

Der wichtigste Unterschied zu ECC bei der Lohnbearbeitung

Pflicht in S/4HANA

In S/4HANA muessen MRP-Bereiche vom Typ "Lieferant" fuer jeden Subcontractor angelegt werden. Ohne MRP-Bereiche gibt es keine saubere Trennung von Beistellbestand und eigenen Bestaenden.

MRP-Bereich: LieferantPro Subcontractor — separater Planungshorizont
Sonderbestand OBeistellbestand wird dem MRP-Bereich zugeordnet
UmlagerungsanforderungWerk → MRP-Bereich (SoBe 45)
Separate DispositionEigene Parameter pro Lieferant moeglich
Transparente MD04-SichtBedarfe/Bestaende pro Lieferant sichtbar
Was passiert ohne MRP-Bereiche?
  • ⚠ Beistellbestaende und eigene Bestaende werden im selben Segment angezeigt
  • ⚠ MRP kann nicht erkennen, welche Mengen beim Lieferanten liegen
  • ⚠ Doppelbeschaffung ist wahrscheinlich
  • ⚠ Keine separate Planung pro Lieferant
  • ⚠ MD04 zeigt alles in einem Topf
Wie richte ich MRP-Bereiche ein?
1. SPRO → Produktion → MRP → MRP-Bereiche → MRP-Bereich anlegen
2. Typ: Lieferant waehlen, Werk zuordnen
3. Lieferant/Werk-Kombination hinterlegen
4. Sonderbeschaffungsschluessel 45 pflegen (Umlagerung Werk → MRP-Bereich)
5. Kein Materialstamm-Eintrag noetig — MRP ordnet automatisch zu!
6. MRP-Lauf (MD01N) pruefen — Umlagerungsanforderungen muessen im MRP-Bereich erscheinen

Prozessablauf — Lieferplan mit Einteilungen

Von Planauftrag ueber Sekundaerbedarf und LP-Einteilung bis WE und Rechnung

1. Planauftrag

Uebergeordnete Stufe, erzeugt Sekundaerbedarf

MD01N / MD04
2. Sekundaerbedarf

Lohnb.material (SoBe 30) + ggf. Kundenauftrag

MD04
3. LP-Einteilung

MRP schreibt Einteilung auf den LP

ME38 / ME84
4. Versand (EWM)

Auslieferung, Kommissionierung, WA

VL10B / /SCWM/
BwA 541
5. Fertigung

Lieferant fertigt (Komponenten in SoBe O)

SC Cockpit
6. WE + Entnahme

Produkt rein + Auto-Verbrauch Komp.

MIGO / EWM
BwA 101 + 543
7. Rechnung

Nur Lohnkosten aus LP

MIRO
Schritt 1+2 — Planauftrag erzeugt Sekundaerbedarf
Ein Planauftrag auf uebergeordneter Stufe (z.B. fuer ein Fertigprodukt) erzeugt ueber die Stuecklistenaufloesung Sekundaerbedarfe fuer das Lohnbearbeitungsmaterial.

Bedarfsquellen:
Planprimaerbedarf (MD61): Geplante Produktionsmengen → Planauftrag → Sekundaerbedarf
Kundenauftrag (VA01): Zusatzbedarf, der ebenfalls Sekundaerbedarfe fuer das Lohnb.material ausloest
Prognose/Forecast: Statistische Prognose als Planprimaerbedarf

Wichtig: Das Lohnbearbeitungsmaterial hat Sonderbeschaffungsart 30. MRP erkennt dadurch, dass ein Lieferplan existiert, und schreibt die Einteilungen direkt darauf.
Schritt 3 — MRP erzeugt LP-Einteilungen
MRP findet den bestehenden Lieferplan (ME31L, Pos. L) und erzeugt direkt Einteilungen mit Menge und Liefertermin.

MRP-Logik:
1. Sekundaerbedarf fuer Material mit SoBe 30 erkannt
2. Lieferplan mit Pos. L fuer dieses Material gefunden
3. Einteilung mit Menge und Liefertermin direkt auf dem LP erzeugt
4. BOM-Komponenten werden pro Einteilung mitgefuehrt
5. Komponentenbedarfe im MRP-Bereich des Lieferanten geplant
6. Umlagerungsanforderungen (Werk → MRP-Bereich) entstehen

Transaktionen: ME38 (Einteilungen pflegen), ME84 (Einteilungen freigeben), ME39 (Einteilungen anzeigen)
Schritt 4 — Versand und Beistellung (541)
Zur LP-Einteilung wird eine Auslieferung (OBD) erstellt. Mit EWM folgt der volle Lagerprozess: Kommissionierung, Verpackung, Warenausgang.

Was passiert bei BwA 541: Freibestand im Werk sinkt, Sonderbestand O (beim Lieferanten) steigt. Keine FI-Buchung — es ist nur eine Umkontierung innerhalb des eigenen Bestands.

Achtung: Die Umlagerungsanforderungen werden erst beim naechsten MRP-Lauf reduziert, nicht sofort!
Schritt 6 — Wareneingang + Entnahme (101 + 543)
Beim WE zur LP-Einteilung passieren zwei Buchungen gleichzeitig:

BwA 101: Das fertige Lohnbearbeitungsprodukt geht in den Freibestand ein. FI: Bestandskonto an WE/RE-Verrechnungskonto.

BwA 543: Automatisch! Die beigestellten Komponenten im Sonderbestand O werden verbraucht. FI: Verbrauchskonto an Bestandskonto. Keine manuelle Buchung noetig.

Bewegungsarten im Detail

Alle relevanten Bewegungsarten mit Wirkung und FI-Buchungslogik

BwABezeichnungTransaktionBestandswirkungFI-Buchung
541Umlagerung an LieferantMIGO / ME2OFreibestand ↓ → Sonderbestand O ↑Keine (bestandsneutral)
542Storno von 541MIGOSonderbestand O ↓ → Freibestand ↑Keine
101WE zur LP-EinteilungMIGO / EWMFertigprodukt → Freibestand ↑Bestandskto. an WE/RE-Kto.
102Storno von 101MIGOFreibestand ↓ (+ Storno 543)Umkehrung
543Verbrauch BeistellkomponentenAutomatisch bei 101Sonderbestand O ↓ (verbraucht)Verbrauchskto. an Bestandskto.
544Storno von 543Automatisch bei 102Sonderbestand O ↑ (zurueckgebucht)Umkehrung

Klassischer Kreislauf: 541 → 101 → 543

541 sendet Komponenten, 101 empfaengt das Produkt, 543 verbraucht automatisch die Komponenten. Das ist der Kern jeder Lohnbearbeitung.

SAP Fiori Apps fuer Lohnbearbeitung

Die neuen Apps, die klassische Transaktionen ersetzen

SC

Subcontracting Cockpit

Zentrale Uebersicht ueber alle Lohnbearbeitungsbelege mit Filter nach Lieferant, Komponente, Status

ersetzt ME2ON
SA

Manage Scheduling Agreements

Lieferplaene anlegen, Einteilungen pflegen, BOM pruefen

F3067 | ersetzt ME31L-ME39
GR

Post Goods Receipt

WE fuer Lohnbearbeitungsbestellungen buchen

F0842A | ersetzt MIGO
MD

Monitor Material Coverage

Bedarfs-/Bestandsliste Live — MRP-Bereiche sichtbar

F2890 | ersetzt MD04
SL

Stock — Multiple Materials

Bestandsuebersicht inkl. Sonderbestand O

F1817 | ersetzt MMBE
IV

Create Supplier Invoice

Rechnungspruefung fuer Lohnkosten

F0859 | ersetzt MIRO

MRP Live & Lohnbearbeitung

Funktioniert es? Ja — aber mit einer kritischen Einschraenkung

Kernproblem: BwA 541 aktualisiert Umlagerungsanforderungen nicht sofort

Wenn Komponenten per 541 an den Lieferanten gehen, werden die zugehoerigen Umlagerungsanforderungen (Transfer Requirements) nicht sofort reduziert. Erst beim naechsten MRP-Live-Lauf. Das kann zu Doppelbeschaffungen fuehren.

Loesung: MRP-Bereiche pro Lieferant sind Pflicht

Lieferantenspezifische MRP-Bereiche trennen Planung, Bestaende und Bedarfe sauber. MRP Live plant Komponenten separat fuer jeden Subcontractor.

Ohne MRP-Bereiche

Das Problem

  • Beistellbestaende und eigene Bestaende im selben Segment
  • MRP erkennt nicht was beim Lieferanten liegt
  • Doppelbeschaffung wahrscheinlich
  • Bestandstransparenz verloren
  • MD04 zeigt alles in einem Topf
Mit MRP-Bereichen

Die Loesung

  • Sonderbestand O dem MRP-Bereich zugeordnet
  • Eigene Dispoparameter pro Lieferant
  • Umlagerungsanforderungen Werk → MRP-Bereich
  • Transparente MD04-Sicht pro Lieferant
  • Automatische Zuordnung im MRP-Lauf

MRP Live — Technische Details

Was MRP Live kann und was nicht

AspektVerhaltenHinweis
MRP-Lauf (MD01N)Erzeugt LP-Einteilungen (Pos. L) + Umlagerungsanforderungen fuer Komponenten zum MRP-BereichSoBe 30 am Material + LP erforderlich
KomponentenplanungSeparat im MRP-Bereich. SoBe 45 = Umlagerung Werk → MRP AreaZ4 als kundeneigener Schluessel moeglich
BwA 541 TimingUmlagerungsanforderungen erst beim naechsten MRP-Lauf reduziertBekannte Einschraenkung!
MRP-Liste (MD05)Wird von MRP Live NICHT geschriebenMD04 als Live-Alternative
pMRP (Predictive)Simulation und Was-waere-wenn fuer LohnbearbeitungsbedarfeAb S/4HANA 2021
Erstellkennzeichen EinteilungenIn MD01N nicht unterstuetztAllg. MRP-Live-Einschraenkung

Praxis-Empfehlung

6 Regeln fuer erfolgreiche Lohnbearbeitung mit MRP Live

1. MRP-Bereiche — keine Ausnahmen

Fuer jeden Subcontractor einen eigenen MRP-Bereich anlegen. Auch wenn es nur einer ist. Das ist der S/4HANA-Standard.

Pflicht

2. MRP Live haeufig laufen lassen

Mindestens 1x taeglich, idealerweise nach jeder groesseren 541-Buchung. So werden Umlagerungsanforderungen zeitnah abgeglichen.

Performance

3. SoBe 45 sauber pflegen

Sonderbeschaffungsschluessel 45 (Umlagerung Werk → MRP-Bereich) muss fuer alle Komponenten korrekt zugeordnet sein.

Customizing

4. Subcontracting Cockpit nutzen

Die Fiori-App ersetzt ME2O und bietet bessere Filter, Live-Daten und mobilfaehige Bedienung.

Fiori

5. MD04 statt MD05

MRP Live schreibt keine MRP-Listen. MD04 (Bedarfs-/Bestandsliste) zeigt immer den aktuellen Stand.

Monitoring

6. BAdI fuer Auto-MRP pruefen

Erweiterung pruefen, um nach BwA 541 automatisch einen MRP-Lauf fuer den betroffenen MRP-Bereich auszuloesen.

Erweiterung

6 Standard-Varianten der Lohnbearbeitung

Welche Szenarien sind im S/4HANA-Standard moeglich?

01

Klassische Lohnbearbeitung

Standard-Szenario mit Lieferplan

Planauftrag erzeugt Sekundaerbedarf, MRP schreibt Einteilung auf den Lieferplan, Komponenten werden beigestellt, Lieferant fertigt und liefert zurueck.

Planauftrag → Sekundaerbedarf
→ MRP → LP-Einteilung (Pos. L)
→ EWM OBD → WA 541 → Fertigung
→ WE 101 + 543 → MIRO
Lieferplan541/101/543Standard
02

Direktlieferung an Subcontractor

Third-Party Subcontracting

Komponenten kommen nicht aus Ihrem Lager, sondern von einem Drittlieferanten direkt an den Subcontractor.

LP Subcon (Pos. L) + LP Drittlief.
→ Einteilungen auf beiden LPs
→ Lieferadresse = Subcontractor
→ WE Produkt
2 LieferplaeneKein 541Logistik-sparend
03

Mehrstufige Lohnbearbeitung

Multi-Level Subcontracting

Lieferant A fertigt ein Halbfabrikat, das dann an Lieferant B fuer die Endfertigung weitergegeben wird.

Best. 1: Subcon A (Komp. → HALB)
→ WE Halbfabrikat
Best. 2: Subcon B (HALB → FERT)
→ WA HALB an B (541) → WE FERT
2+ LieferantenKomplexAutomotive
04

Lohnbearbeitung mit Lieferplan

Scheduling Agreement

Fuer wiederkehrende Lohnbearbeitung: Rahmenvertrag (Lieferplan) mit Pos. L. Planauftraege erzeugen Sekundaerbedarfe, MRP schreibt direkt Einteilungen — keine BANF.

Planauftrag → Sekundaerbedarf
→ MRP → LP-Einteilung (keine BANF)
→ EWM OBD → WA 541 (SoBe O)
→ WE 101 + 543 → MIRO
RahmenvertragSerieEWMKeine BANF
05

Lohnbearbeitung mit Chargen

Batch Management

Chargenpflichtige Materialien: Chargen bei 541 angeben, beim WE (101/543) korrekt verbrauchen.

WA 541 mit Chargenzuordnung
→ WE 101: Charge Fertigprodukt
→ BwA 543: Chargenverbrauch Komp.
ChargenpflichtPharmaRueckverfolgung
06

Konsignations-Lohnbearbeitung

Consignment + Subcontracting

Komponenten aus Konsignationsbestand (K) des Lieferanten werden dort verarbeitet und als Produkt zurueckgeliefert.

Konsignationsbestand (SoBe K)
→ Umlagerung K → O
→ Fertigung → WE Produkt
→ Konsignationsabrechnung
KonsignationSoBe K + OSonderfall

Entscheidungsmatrix

Welche Variante passt zu Ihrem Szenario?

Kriterium01 Klassisch02 Direkt03 Mehrstufig04 Lieferplan05 Chargen06 Konsign.
HaeufigkeitEinmalig/seltenEinmaligKomplexWiederkehrendVariabelSelten
Logistik-AufwandMittelGeringHochGeringMittelMittel
KomplexitaetNiedrigMittelHochNiedrigMittelHoch
BrancheAllgemeinAllgemeinAutomotive, MaschinenSerienfertigungPharma, FoodAutomotive
MRP-Bereiche1 pro Lief.1 pro Lief.2+ pro Lief.1 pro Lief.1 pro Lief.1 pro Lief.

Lohnbearbeitung mit Lieferplan — Kompletter Ablauf

Scheduling Agreement (ME31L, Pos. L) mit EWM-gesteuertem Versand

Ablauf: Planauftrag → Sekundaerbedarf → LP-Einteilung

Ein uebergeordneter Planauftrag erzeugt Sekundaerbedarfe fuer das Lohnbearbeitungsmaterial. MRP erkennt den bestehenden Lieferplan (Scheduling Agreement) und schreibt automatisch Einteilungen (Schedule Lines) — keine BANF, keine manuelle Bestellung. Zusaetzliche Kundenauftraege fliessen als Zusatzbedarf ein.

LP
Lieferplan (SA)
L
Positionstyp
EWM
Lagersteuerung
OBD
Outbound Delivery
541
WA Beistellung
101
WE Produkt

Prozessschritte im Detail

1. Planauftrag

Uebergeordnete Stufe erzeugt Sekundaerbedarf

MD01N / MD04
2. Sekundaerbedarf

Bedarf fuer Lohnbearbeitungsmaterial (+ ggf. Kundenauftrag)

SoBe 30
3. MRP → Einteilung

MRP erzeugt LP-Einteilung direkt (keine BANF)

MD01N
4. LP-Einteilung

Menge + Termin + BOM-Komponenten

ME38 / ME84
5. Versandvorbereitung

EWM: Auslieferung, Kommissionierung

VL10B / /SCWM/
6. Versand → SoBe O

WA Beistellung, Konsignation beim Lieferant

MIGO / EWM
BwA 541
7. WE + Entnahme

Fertigprodukt rein, Komponenten automatisch raus

MIGO / EWM
BwA 101 + 543
8. Rechnung

Lohnkosten aus LP

MIRO
Schritt 1+2 — Planauftrag → Sekundaerbedarf
Der Bedarf fuer Lohnbearbeitungsmaterial entsteht nicht direkt, sondern ueber die Bedarfsaufloesungsstufen:

Stufe 1 — Uebergeordneter Planauftrag:
• Ein Planauftrag (Planned Order) fuer ein uebergeordnetes Fertigprodukt wird in MRP erzeugt
• Quelle: Planprimaerbedarf (MD61), Kundenauftrag (VA01), Forecast
• Die Stueckliste des Fertigprodukts enthaelt das Lohnbearbeitungsmaterial als Komponente

Stufe 2 — Sekundaerbedarf:
• MRP loest den Planauftrag auf und erzeugt Sekundaerbedarfe fuer alle BOM-Komponenten
• Das Lohnbearbeitungsmaterial (SoBe 30) wird als Sekundaerbedarf erkannt
• MRP sieht: SoBe 30 + Lieferplan vorhanden → direkte Einteilung auf dem LP

Zusatzbedarf — Kundenauftrag:
• Kundenauftraege koennen zusaetzlichen Bedarf fuer das Lohnbearbeitungsmaterial erzeugen
• Dieser Bedarf wird ebenfalls direkt als LP-Einteilung abgebildet
• Keine BANF, keine manuelle Bestellung — alles laeuft ueber den Lieferplan

Wichtig: Es werden keine BANFen erzeugt! MRP erkennt den bestehenden Lieferplan und schreibt die Einteilungen direkt darauf. Voraussetzung: Erstellkennzeichen im LP-Customizing korrekt gesetzt.
Schritt 3 — MRP erzeugt LP-Einteilungen (keine BANF!)
MRP-Logik bei Lieferplan:
1. MRP erkennt Sekundaerbedarf fuer Material mit SoBe 30
2. Prueft ob ein Lieferplan mit Pos. L fuer dieses Material existiert
3. Erzeugt direkt eine Einteilung (Schedule Line) mit Menge und Liefertermin auf dem LP
4. Gleichzeitig: Komponentenbedarfe werden im MRP-Bereich des Lieferanten geplant
5. Umlagerungsanforderungen (Werk → MRP-Bereich) fuer Komponenten entstehen

Kein manueller Schritt noetig! Der gesamte Weg von Planauftrag → Sekundaerbedarf → LP-Einteilung → Komponentenplanung laeuft automatisch im MRP-Lauf.

Erstellkennzeichen: Im Lieferplan-Customizing muss das Erstellkennzeichen fuer Einteilungen korrekt gesetzt sein (z.B. automatisch durch MRP). Ohne dieses Kennzeichen erzeugt MRP keine Einteilungen!
Schritt 4 — Lieferplaneinteilung: Struktur und BOM
Jede Einteilung auf dem Lieferplan enthaelt:

• Einteilungsmenge: Wie viel des Fertigprodukts geliefert werden soll
• Lieferdatum: Wann die Lieferung erwartet wird
• Stuecklistenpositionen: Die BOM-Komponenten werden pro Einteilung mitgefuehrt — Mengen berechnet aus Einteilungsmenge × BOM-Koeffizient
• Lieferadresse: Adresse des Subcontractors

Transaktionen:
ME38 — Einteilungen pflegen (Lieferplaneinteilungen anzeigen/aendern)
ME84 — Liefereinteilungen freigeben (Forecast- und JIT-Abrufe)
ME39 — Einteilungen anzeigen

In S/4HANA Fiori: App Manage Scheduling Agreements (F3067) fuer die zentrale Pflege.
Schritt 5 — Versandvorbereitung und Outbound Delivery
Ohne EWM (nur IM):
Direkter Warenausgang per MIGO (BwA 541) zur Lieferplaneinteilung — fertig.

Mit EWM:
1. Auslieferung erstellen: VL10B (Sammelverarbeitung) oder VL01N — Outbound Delivery (OBD) zur LP-Einteilung
2. EWM Outbound Delivery Order (ODO): Wird automatisch aus der ERP-Auslieferung erzeugt
3. Warehouse Task (WT): Auslagerung aus dem Quelllagerplatz — Kommissionierung
4. Picking: Physisches Kommissionieren der Komponenten im Lager
5. Packing (optional): Verpackung der Beistellkomponenten
6. Warenausgang: WA-Buchung (BwA 541) — Komponenten gehen in Sonderbestand O

EWM-Transaktionen: /SCWM/PRDO (Outbound Order), /SCWM/MON (Monitoring), /SCWM/PACK (Verpackung)
Schritt 6 — Versand auf Konsignation (SoBe O)
Nach dem Warenausgang (541) befinden sich die Komponenten im Sonderbestand O beim Lieferanten.

Was bedeutet das?
• Die Komponenten gehoeren weiterhin dem eigenen Unternehmen — nur der physische Standort aendert sich
• Im Bestand: Freibestand sinkt, Sonderbestand O (lieferantenspezifisch) steigt
Keine FI-Buchung bei 541 — es ist eine reine Bestandsumkontierung
• Der Lieferant hat physischen Zugriff, buchhalterisch bleiben es Ihre Bestaende

Monitoring:
ME2O / Subcontracting Cockpit: Offene Beistellmengen pro Lieferant und Material
MB52: Bestandsuebersicht nach Sonderbestandskennzeichen O
MMBE: Bestandsdetails pro Material inkl. SoBe O

EWM-Integration — Warehouse Management

Wie EWM den Lohnbearbeitungsprozess mit Lieferplan steuert

EWM vs. IM

Bei aktivem Extended Warehouse Management (EWM) werden Warenausgaenge und Wareneingaenge nicht direkt per MIGO gebucht, sondern ueber Delivery Documents und Warehouse Tasks gesteuert. Das bringt Kommissionierung, Einlagerung und Lagerverwaltung auf Lagerplatz-Ebene.

Outbound — Beistellung (541)

WA an Lieferant mit EWM

  • Auslieferung (OBD) aus LP-Einteilung erstellen (VL10B/VL01N)
  • ODO (Outbound Delivery Order) in EWM automatisch erzeugt
  • Warehouse Task fuer Auslagerung — Quelllagerplatz → Versandzone
  • Kommissionierung (Pick) — manuell, RF, Pick-by-Voice, Pick-by-Light
  • Verpackung (optional) — Handling Units (HU) bilden
  • Warenausgang-Buchung — 541 wird gebucht, SoBe O entsteht
  • POD (Proof of Delivery) — optional, Abliefernachweis vom Lieferant
Inbound — WE Fertigprodukt (101)

WE vom Lieferant mit EWM

  • ASN (Advance Shipping Notification) — Avis vom Lieferant (optional)
  • Inbound Delivery im ERP anlegen oder aus ASN
  • IDR (Inbound Delivery Request) in EWM
  • Warehouse Task fuer Einlagerung — Wareneingangszone → Ziellagerplatz
  • QM-Pruefung — Prueflos wird beim WE erzeugt (falls aktiv)
  • Einlagerung (Putaway) — Strategie: fest, offen, naechster leerer Platz
  • WE-Buchung — BwA 101 + automatisch BwA 543 (Komponentenentnahme)

EWM-Buchungstabelle

ProzessschrittERP-BelegEWM-BelegBwAEWM-Transaktion
Auslieferung erstellenOutbound Delivery (Lieferschein)Outbound Delivery Order (ODO)/SCWM/PRDO
KommissionierungWarehouse Task (WT)/SCWM/TO
WA BeistellungMaterialbelegGoods Issue Posting541/SCWM/POST
Anlieferung erstellenInbound DeliveryInbound Delivery Request (IDR)/SCWM/PRDI
EinlagerungWarehouse Task (WT)/SCWM/TO
WE FertigproduktMaterialbelegGoods Receipt Posting101/SCWM/POST
KomponentenentnahmeMaterialbelegAutomatisch543Automatisch bei 101
EWM Fiori Apps fuer Lohnbearbeitung
WH

Warehouse Monitor

Zentrales Monitoring aller Lagerbewegungen, WTs, Auslastung

/SCWM/MON
OB

Outbound Delivery Processing

Auslieferungen verarbeiten, Picking starten, WA buchen

F5309
IB

Inbound Delivery Processing

Anlieferungen verarbeiten, Putaway, WE buchen

F5308
ST

Stock Overview (EWM)

Bestand pro Lagerplatz, Quant-Ebene, SoBe O sichtbar

/SCWM/AQUA
EWM Customizing fuer Lohnbearbeitung
1. Lagernummernzuordnung: Werk + Lagerort muss einer EWM-Lagernummer zugeordnet sein
2. Lieferungserstellung: Auslieferungstyp fuer Umlagerung an Lieferant konfigurieren
3. Warehouse Process Type: Prozesstyp fuer Outbound (Beistellung) definieren
4. Lagertypen: Versandzone, Wareneingangszone, Kommissionierbereich einrichten
5. Einlagerstrategien: Putaway-Strategie fuer das Fertigprodukt (WE) festlegen
6. Sonderbestand O: EWM muss Sonderbestand O verwalten koennen — Quant-Management

Stuecklistenpositionen in der Einteilungsstruktur

Wie BOM-Komponenten auf den Lieferplaneinteilungen mitgefuehrt werden

BOM-Explosion auf dem Lieferplan

Bei Positionstyp L explodiert die Stueckliste auf der Lieferplanposition. Jede Einteilung (Schedule Line) erhaelt automatisch die BOM-Komponenten mit berechneten Mengen basierend auf der Einteilungsmenge.

Lieferplan (ME31L)Rahmenvertrag mit Pos. L fuer Lohnbearbeitungsmaterial
Position (Pos. L)Material, Preis (Lohnkosten), Stueckliste hinterlegt
Einteilung (ME38)Menge + Termin — MRP oder manuell erzeugt
BOM-KomponentenPro Einteilung: Komponenten mit berechneten Mengen
BeistellmengenBasis fuer WA 541 — was muss dem Lieferanten beigestellt werden
ElementQuelleBerechnungBeispiel
EinteilungsmengeMRP / manuellNettobedarf fuer Fertigprodukt100 Stueck FERT
KomponentenmengeBOM-KoeffizientEinteilungsmenge × Menge lt. BOM100 × 2,5 = 250 Stueck ROH1
LieferdatumMRP / TerminierungBedarfstermin abzgl. Wiederbeschaffungszeit15.03.2026
BeistelldatumVorlaufzeitLieferdatum abzgl. Fertigungszeit beim Lieferant08.03.2026
Komponentenuebersicht auf der Einteilung
ME38 — Reiter "Komponentenuebersicht":

• Zeigt alle BOM-Positionen fuer die gewaehlte Einteilung
• Mengen werden automatisch aus der Einteilungsmenge berechnet
• Lagerort der Beistellung kann pro Komponente angepasst werden
• Mengen koennen manuell korrigiert werden (z.B. bei Ausschusszuschlag)
• Fixierte Komponenten bleiben auch bei Einteilungsaenderung erhalten

Achtung: Wenn die Stueckliste geaendert wird, muss die Komponentenuebersicht auf dem Lieferplan manuell aktualisiert werden (Button "BOM neu explodieren" in ME32L).
Mehrere Einteilungen — Mengen kumulieren
Bei Serienfertigung hat ein Lieferplan oft viele Einteilungen pro Monat:

Beispiel:
• Einteilung 1: 500 Stk FERT am 05.03. → Komponenten: 1.250 ROH1, 500 ROH2
• Einteilung 2: 300 Stk FERT am 12.03. → Komponenten: 750 ROH1, 300 ROH2
• Einteilung 3: 400 Stk FERT am 19.03. → Komponenten: 1.000 ROH1, 400 ROH2

Die Beistellung (541) kann:
• Pro Einteilung einzeln erfolgen
• Fuer mehrere Einteilungen gebuendelt werden
• Die Auslieferung (OBD) buendelt Mengen aus mehreren Einteilungen

Wareneingang & Komponentenentnahme

Basis fuer WE (101) und automatische Entnahme (543) aus dem Sonderbestand O

BwA 101 — Wareneingang Fertigprodukt

WE zur Lieferplaneinteilung

Das Fertigprodukt geht in den Freibestand ein.

  • MIGO oder EWM Inbound Delivery
  • Bezug: Lieferplan + Einteilungsnummer
  • Menge: Gelieferte Menge des Fertigprodukts
  • Lagerort: Ziellagerort fuer das Fertigprodukt
  • FI: Bestandskonto an WE/RE-Verrechnungskonto
  • QM: Prueflos wird erzeugt (falls QM-Sicht aktiv)
BwA 543 — Automatische Komponentenentnahme

Entnahme aus Sonderbestand O

Die beigestellten Komponenten werden automatisch verbraucht.

  • Automatisch bei Buchung von BwA 101
  • Mengen: Basierend auf WE-Menge × BOM-Koeffizient
  • Sonderbestand O des Lieferanten sinkt
  • FI: Verbrauchskonto an Bestandskonto (Komponenten)
  • Keine manuelle Buchung noetig
  • Bei Ueberlieferung: Mehr Komponenten werden entnommen

Wichtig: Komponentenmengen pruefen!

Die BwA 543 entnimmt basierend auf der aktuellen Stueckliste. Wenn die BOM seit dem Warenausgang (541) geaendert wurde, kann es zu Bestandsdifferenzen kommen. Der tatsaechlich beim Lieferanten verbrauchte Bestand weicht dann vom errechneten Wert ab. Regelmaessiger Abgleich ueber ME2O oder Lieferantenkonsignationsinventur empfohlen.

WE mit EWM — Einlagerungsprozess
1. ASN (optional): Lieferant sendet Advance Shipping Notification (z.B. ueber EDI/IDOc)
2. Inbound Delivery: Anlieferung im ERP anlegen (zur LP-Einteilung) oder aus ASN
3. EWM IDR: Inbound Delivery Request wird automatisch an EWM gesendet
4. Entladen: Warehouse Task vom WE-Tor zum Identifikationspunkt
5. QM-Pruefung: Prueflos, ggf. Sperreinlagerung in QM-Lagertyp
6. Putaway: Warehouse Task vom WE-Bereich zum Ziellagerplatz
7. WE-Buchung: BwA 101 wird gebucht → automatisch BwA 543

Ergebnis: Fertigprodukt ist eingelagert, Komponenten aus SoBe O sind verbraucht.
Teillieferungen und Ueberlieferungen
Teillieferung:
• WE-Menge < Einteilungsmenge → Einteilung bleibt offen
• Nur anteilige Komponentenentnahme (543) basierend auf WE-Menge
• Restmenge kann spaeter geliefert werden

Ueberlieferung:
• WE-Menge > Einteilungsmenge → nur moeglich wenn Toleranz gepflegt
• Ueberlieferungstoleranz am Lieferplan oder Materialstamm
• Komponentenentnahme (543) basiert auf der hoeheren WE-Menge!
• Kann zu negativem SoBe O fuehren wenn nicht genug beigestellt wurde

Zusaetzliche Prozesse — Schrott, Inventur, QM

Sonderprozesse rund um die Lohnbearbeitung mit Lieferplan

⚠ Schrott beim Lieferanten

Wenn der Lieferant Komponenten verschrottet oder Ausschuss produziert, muss der Sonderbestand O korrigiert werden.

BwA 544: Storno der Beistellung (Ruecknahme aus SoBe O)
BwA 542: Storno WA an Lieferant
Verschrottung: Entnahme aus SoBe O → Verschrottung buchen
Alternative: Nachlieferung der verschrotteten Menge per neuer 541-Buchung
Bestandskorrektur

◆ Inventur beim Lieferanten

Regelmaessiger Abgleich der Sonderbestaende O beim Subcontractor — Pflicht fuer korrekte Bewertung.

MI31: Inventurbeleg fuer Sonderbestand O anlegen
MI04: Inventurzaehlung eingeben
MI07: Inventurdifferenzen buchen
MI20: Inventurliste drucken — an Lieferant senden
Empfehlung: Quartalsweise oder bei jeder groesseren WE-Buchung
Pflicht

✓ Qualitaetsmanagement (QM)

QM-Pruefung beim Wareneingang des Fertigprodukts — automatische Prueflosbildung.

Prueflos: Automatisch bei WE (101) wenn QM-Sicht im Materialstamm aktiv
QA32: Prueflos bearbeiten — Verwendungsentscheid treffen
Sperrbestand: Material kann in QM-Sperrbestand gehen bis VE getroffen
EWM: QM-Lagertyp fuer Sperreinlagerung bei Pruefung
VE: Verwendungsentscheid (Annahme/Ablehnung/Nacharbeit)
Qualitaet

Detailprozesse

Schrott — Schritt fuer Schritt
Szenario 1 — Ausschuss beim Lieferant (Komponenten verschrottet):
1. Lieferant meldet: 50 Stk von ROH1 verschrottet
2. MIGO: BwA 542 (Storno 541) fuer 50 Stk ROH1, Referenz: LP-Einteilung
3. Alternativ: Spezielle Verschrottungsbuchung aus SoBe O
4. Nachlieferung: Neue 541-Buchung fuer Ersatzmenge
5. Kostenverrechnung: Kosten dem Lieferant belasten (FI-Buchung oder Gutschrift kuerzen)

Szenario 2 — Ausschuss beim Fertigprodukt:
1. WE mit reduzierter Menge (Teillieferung)
2. BwA 543 entnimmt nur anteilig Komponenten
3. Verbleibende Komponenten: Beim Lieferanten fuer Nachfertigung oder zurueckfordern
4. Inventurdifferenzen beim naechsten SoBe-O-Abgleich klaeren
Inventur Sonderbestand O — Schritt fuer Schritt
1. Inventurbeleg anlegen (MI31):
• Werk, Lagerort, Sonderbestandskennzeichen O, Lieferant
• Alle Materialien im SoBe O des Lieferanten werden aufgenommen

2. Inventurliste drucken (MI20):
• Liste an den Lieferanten senden — Lieferant zaehlt physisch

3. Zaehlung eingeben (MI04):
• Gezaehlte Mengen vom Lieferanten eintragen
• System vergleicht Buchbestand vs. Zaehlbestand automatisch

4. Differenzen buchen (MI07):
• Fehlmengen: Entnahme aus SoBe O (Schwund, Schrott)
• Mehrmengen: Zubuchung in SoBe O (selten, muss geprueft werden)
• FI: Inventurdifferenzenkonto wird bebucht

Empfehlung: Vor Jahresabschluss ist die SoBe-O-Inventur Pflicht fuer korrekte Bestandsbewertung.
QM beim Wareneingang — Schritt fuer Schritt
Voraussetzung: QM-Sicht im Materialstamm des Fertigprodukts aktiv, Pruefdaten gepflegt

1. WE buchen (MIGO / EWM):
• BwA 101 zur Lieferplaneinteilung
• System erzeugt automatisch ein Prueflos
• Material geht in Qualitaetspruefbestand (nicht Freibestand!)

2. Pruefung durchfuehren (QA32):
• Pruefmerkmale erfassen (Masse, Optik, Funktion, etc.)
• Probeentnahme oder 100%-Pruefung je nach Pruefplan

3. Verwendungsentscheid (QA32):
Annahme: Material wird in Freibestand umgebucht
Ablehnung: Retoure an Lieferant, Gutschrift, Verschrottung
Nacharbeit: Ruecksendung an Lieferant zur Nachbearbeitung

EWM-Besonderheit: Bei QM-Pruefung wird das Material in einen dedizierten QM-Lagertyp eingelagert. Erst nach positivem VE erfolgt die Umlagerung in den regulaeren Lagerbereich.

Bewegungsarten — Sonderprozesse

BwAProzessBeschreibungSoBe O WirkungFI-Buchung
542Schrott / StornoStorno WA an LieferantSoBe O ↓ → Freibestand ↑Keine (bestandsneutral)
544SchrottStorno KomponentenentnahmeSoBe O ↑Storno Verbrauchsbuchung
561InventurdifferenzZugang SoBe O (Inventur)SoBe O ↑Inventurkonto an Bestandskonto
562InventurdifferenzAbgang SoBe O (Inventur)SoBe O ↓Bestandskonto an Inventurkonto
321QMUmbuchung QM-Bestand → FreiKeine (innerhalb Bestand)
322QMUmbuchung Frei → QM-BestandKeine (innerhalb Bestand)
551VerschrottungVerschrottung aus SoBe OSoBe O ↓Aufwandskonto an Bestandskonto

Lieferplan + EWM — Prozess-Flowchart

End-to-End Visualisierung: Bedarf → MRP → Einteilung → EWM-Versand → WE

Lohnbearbeitung mit Lieferplan + EWM

PLANUNG (MRP + EINKAUF) EWM OUTBOUND (BEISTELLUNG) LIEFERANT (SUBCONTRACTOR) EWM INBOUND (WARENEINGANG) ZUSATZPROZESSE (QM / SCHROTT / INVENTUR) Planauftrag Uebergeordnete Stufe Sekundaerbedarf Lohnb.material (+ Kundenauftrag) MRP Live MD01N LP-Einteilung keine BANF! ME38 / ME84 Menge + BOM Auslieferung VL10B / OBD Kommissionierung EWM Pick + Pack WA Beistellung BwA 541 Frei → SoBe O Empfang SoBe O Fertigung Komponenten → Produkt Versand Ruecklieferung Anlieferung IDR / Inbound Einlagerung EWM Putaway WE + Entnahme BwA 101 + 543 Produkt rein, Komp. raus Rechnung MIRO Fertig QM Pruefung QA32 / VE Schrott BwA 542/551 Inventur MI31 / MI07

Interaktive Prozesskarte

Hover ueber Knoten und Verbindungen fuer Details — wer ist mit wem verbunden, welche Transaktionen und Bewegungsarten fliessen wohin

SekundaerbedarfSoBe 30 → LP LP-Abruf (ME38)Einteilung + BOM Lieferung ZSB-ProduktASN → Inbound Delivery WE buchenBwA 101MIGO / EWM Kommission. + WABwA 541Frei → SoBe O physisch beim Lief.Ihr Eigentum! Konsi-ReduzierungBwA 543automatisch bei WE ZSB fertig → WEFreibestand + BSX an WRXBestandsbuchung Rechnung (MIRO)WRX an Kreditor MRP Planung MD01N Planauftrag Planauftrag → SekundaerbedarfBOM-Aufloesung erzeugt Bedarf fuerLohnbearbeitungsmaterial (SoBe 30) LIEFERPLAN LP-Einteilung ME38 / ME84 Pos. L + BOM Scheduling Agreement (Pos. L)MRP schreibt Einteilungen direkt.Menge + Termin + StuecklisteAbruf geht an Hauptlieferant HAUPTLIEFERANT Subcontractor Fertigung + ZSB SC Cockpit Konsi-Material (O) Empfaengt Abruf + KomponentenBaut ZSB aus Konsi-Material (SoBe O)Liefert fertiges Produkt zurueckKomponenten = Ihr Eigentum! EWM LAGER Warehouse WE • Einlagern • Pick /SCWM/MON Wareneingang + Kommissionierung1. WE buchen (Inbound Delivery)2. Putaway zum Ziellagerplatz3. Pick + Pack fuer BeistellungWarehouse Tasks steuern alles KONSIGNATION SoBe O Ihr Bestand beim Lief. 541 rein / 543 raus Sonderbestand O beim LieferantenBwA 541: Freibestand → SoBe OBwA 543: SoBe O wird verbrauchtMaterial gehoert IHNEN!Keine FI-Buchung bei 541 ZSB-MONTAGE Zusammenbau Stueckliste/Einteilung Konsi → Produkt Lieferant baut ZSB zusammenKomponenten lt. BOM pro EinteilungKonsi (SoBe O) wird aufgebrauchtBwA 543 automatisch bei WE FERTIGPRODUKT WE + Bestand Freibestand BwA 101 FINANZEN FI-Belege BSX / WRX / GBB Finanzbelege im Ueberblick541: Keine FI-Buchung (neutral)101: BSX an WRX (WE Produkt)543: GBB-VBR an BSX (Verbrauch)MIRO: WRX an Kreditor (Lohnkosten)

Finanzbelege — Kontierung im Detail

BwA 541 — WA Beistellung
Keine FI-Buchung

Bestandsumkontierung: Freibestand → Sonderbestand O. Material bleibt Ihr Eigentum.

bestandsneutral
BwA 101 — WE Fertigprodukt
Bestand an WE/RE

ZSB-Produkt geht in den Freibestand. Bewertung zum Standardpreis oder gleitendem Durchschnitt.

BSX an WRX
BwA 543 — Komponentenentnahme
Verbrauch an Bestand

Automatisch bei WE: Komponenten aus SoBe O verbraucht. Pro Stuecklistenposition berechnet.

GBB-VBR an BSX
MIRO — Rechnungspruefung
WE/RE an Kreditor

Nur Lohnkosten — nicht Materialwert der Komponenten. Bezug: LP-Einteilung.

WRX an Kreditor
Preisdifferenz (falls S-Preis)
PRD-Konto

Differenz zwischen Standardpreis und tatsaechlichem Preis auf Preisdifferenzenkonto.

PRD an WRX

Quellen & weiterfuehrende Links

Offizielle SAP-Dokumentation und Community-Ressourcen

The Ultimate Guide to Subcontracting

SAP Community — umfassendster Community-Beitrag zum Thema

SAP Community

MRP Areas fuer Subcontracting

SAPinsider — Implementierung des vereinfachten Prozesses

SAPinsider

Lohnbearbeitung Ueberblick

CONSILIO GmbH — kompakter deutschsprachiger Ueberblick

Deutsch

Subcontracting Playbook

PortSAP — Schritt-fuer-Schritt-Anleitung mit Screenshots

Playbook

SAP Learning — Lohnbearbeitung

Offizieller SAP-Kurs mit Uebungen

Offiziell

Customizing & Stammdaten

ososoft — detaillierte Anleitung zu SPRO-Einstellungen

Customizing